Mittwoch, 07.08.2013

Loriot in Tuba

 

Hellooooo!

Hiiiiiii!

-          Hellooooo!

Hiiiiii!

-          Good Morning to you all!

Good Mooorning Teachers and Friends!

-          How are you?

We are fine thaaank you aaand you?

 

Dieses Spiel wiederholt sich tagtäglich in der Schule. Auf jede dieser Fragen folgt eine wohleinstudierte und über die Jahre eingeschliffene Antwort der Schüler.

Man kann eigentlich immer Ruhe schaffen, wenn man laut, bestimmt und im richtigen Tonfall Hellohooo! schreit, weil dann sofort alle unisono mit Hiiii! antworten.

die Kleidung der Lehrer, Schwarz weiss

Bis man sich diese ganzen Tricks mal ein bisschen angeeignet hat und die Schueler einigermassen kennt, dauert das seine Zeit und genauso schnell ist sie auch wieder rum:

Unsere letzten Deutschstunden sind vorbei, die Examen wurden letzte Woche geschrieben...

Es ging alles sehr sehr schnell.

Anfang Juli habe ich mit vier Schuelern einen Sketch - Fernsehabend - einstudiert.

Dabei sitzt ein altes Ehepaar vorm kaputten Fernseher und ist voellig aufgeschmissen, weil sie sich ja nun mit was anderem beschaeftigen muessen, das aber verlernt haben und nicht zugeben wollen.

Zum Lesen, koennt ihr mal einen Blick auf diesen Link werfen:

http://www.anylyrics.net/lyrics/Loriot/Fernsehabend-lyrics-179864.html

 

Es ist unheimlich lustig und da 'Funweek' war, habe ich es auf englisch uebersetzt und dann erst von zwei Schuelern auf deutsch und dann von zwei anderen auf englisch vorspielen lassen, damit auch alle verstehen, worum es in dem Stueck geht.

Es war ein richtiger Erfolg, danach wollten sogar einige Lehrer deutsch lernen und haben die Schueler sehr bewundert, weil sie die deutsche Sprache ( die ja wirklich nicht einfach ist) so gut aussprechen koennen.

Die Funweek war wie ein Wettbewerb zwischen saemtlichen klassen angelegt: am ersten tag gab es ein Wissensquiz ueber Ghana, am naechsten Tag Leichtathletik, Fussbalturniere usw.

Nach der Funweek war 'Revision Week', die wir nochmal nutzten, um mit allen Klassen die Deutschthemen abzuklappern, die wir durchgenommen hatten...

In dieser Zeit hatten wir unglaublich viel zu tun, weil wir alle Examen selbst tippen mussten ( fuer alle Klassen in allen Faechern) und dann danach war natuerlich viel zu korrigieren.

 

Dann war letztes Wochenende sonntags auch im Waisenhaus 'Goodbye' angesagt:

wir hatten unsere Abschiedsparty.

Es gab Fufu mit Lightsoup. Dieses superaufwendige Essen ( das ja mit der Hand ewig gestampft wird) fuer 50 Leute zuzubereiten war nur moeglich durch die Hilfe von mindestens 10 guten Freunden, die mehrere Stunden lang damit beschaeftigt waren, Fufu zu stampfen.

Das war eine unglaubliche Leistung und eine ruehrende Abschiedsgeste von allen.

Die Kinder haben sich sehr ueber das Essen gefreut und spaeter wurde dann natuerlich - nach guter alter Abschiedsparty-tradition - ein Lagerfeuer gemacht und getrommelt, gesungen und getanzt.

Die Kinder haben uns wunderschoene Abschiedsgeschenke gebastelt und Briefe geschrieben und ich kann immer noch nicht so ganz realisieren, dass sie nun weg sind.

Am Montag habe ich sie im Trotro zu ihren Familien nach Nima begleitet.

Morgen ist Zuckerfest und ich kann endlich mein Fasten brechen. Seit fast einem Monat ist hier naemlich Ramadan, der muslimische Fastenmonat, und ich habe versucht, so gut es geht, mitzufasten.

Manchmal hab ich ein bisschen geschummelt und Wasser getrunken, aber mit dem Essen habe ich es durchgezogen.

Das bedeutet, du musst vor halb fuenf uhr morgens gefruehstueckt haben und darfst erst wieder nach halb sieben etwas essen...

Es haengt immer vom Sonnenauf- bzw. - untergang ab und vom Gebetsruf des Muezzin.

Nun sind Ferien, ich werde mit Erik, Ayuba und Abdul noch ein bisschen in den Westen des Landes reisen, mich auf die Rueckkehr vorbereiten, die letzte Zeit geniessen und mich in Ruhe nochmal von allen verabschieden.

Ghana, I am gonna miss you-ooooo

 

Mittwoch, 07.08.2013

The Trouserman

Martin, unser Freund, der Hosenverkaufer vom Strand,

hatte viele Ueberbleibsel, die er nicht mehr verkaufen konnte.

Die hat er dann kurzerhand an das Waisenhaus gespendet.

Deshalb sah unsere Veranda spontan aus wie ein kleiner Flohmarkt.

Martin, THANK YOU VERY MUCH!!!

Auspacken Rogo machts sich gemuetlich alles wird erstmal von uns inspiziert =) Martin, the trouserman Hajara hat Spass Gloria auch... und natuerlich Junior Ibrahim, Junior und Shaibu Marvin, ganz serioes

Mittwoch, 07.08.2013

Six Bottles

 

 

 Hallo,

 

nach langer Zeit hier endlich mal wieder ein Bericht aus Ghana!

Ich hoffe, es geht euch allen gut und ihr koennt den Sommer ordentlich geniessen!

Die Ueberschrift mag vielleicht stutzig machen, aber ich will gleich erklaeren, was es damit auf sich hat:

vor ungefaehr einem Monat waren wir auf einer Hochzeit in Tuba. Leyla, eine unserer Koechinnen in der Schule, heiratete.

Hier in Ghana ist es ueblich, dass eine Gruppe, die zusammen zu einer Hochzeit geht, sich denselben Stoff aussucht und sich daraus Kleider schneidern laesst.

Dann sieht jeder, dass sie zusammen gehoeren und auf dasselbe Event gehen.

Wir, das Waisenhausteam, haben eine Frau damit beauftragt, uns auf dem Kaneshi-Markt einen Stoff zu besorgen und als sie zurueckkam, hat uns das sehr zum Lachen gebracht und uns mal wieder den Unterschied zwischen ghanaischem und europaeischem Geschmack vor Augen gefuehrt:

der Stoff war neongruen mit leuchtendem orange und in regelmaessigem Abstand sechs aufgedruckten Flaschen...

Aber ihr werdets ja selber auf den Bildern sehen.

Die Hochzeit war jedenfalls sehr lustig, ganz Tuba war natuerlich wieder dabei und wir mussten natuerlich einmal inmitten der ganzen Hochseitsgesellschaft vortanzen...

auf dem Weg zur Hochzeit Einstimmen auf die Feierlichkeiten die Six Bottles Kompanie wird zum Vortanzen gerufen...=) Leyle, die Braut die Hochzeitsgeschenke werden herbeigetragen... es soll dem frisch verheirateten Ehepaar an nichts mangeln Leyle, die Braut ENJOY!!!! Leyla, die Braut

Die Braut hat fuer einen einzigen Tag mehrere Outfits, zieht sich dann und wann  zurueck, um dann den Auftritt des neuen Kleids zu zelebrieren und von allen anwesenden Maennern in hoechsten Toenen gelobt, bewundert, gepriesen und fotografiert zu werden.:D

Sonntag, 23.06.2013

dies und das

Kokrobite Beach neben unserem Haus gefunden ;) Kokrobite Beach Mamadu Mudasiru, Direktor der Günter Frey International School Leitspruch der Günter Frey International School Bau vom Boys Houseder Bau des Boys House macht Fortschritte Rogorogo Rainy Season is coming! Regenzeit Hajara (One Love Children's Home) Fadila (One Love Children's Home) Rabi (One Love Children's Home) Fadila und ich (One Love Children's Home) Shaibu (Ostereisuchaktion) Prince (Ostereiersuchaktion) Fati (Ostereiersuchaktion) und jetzt müssen sie noch angemalt werden! Mirjam und Karama (Ostereiersuchaktion) und das Endergebnis! Junior (One Love Children's Home) Farida (One Love Children's Home) Fabiooo mit seinen Mädels Mirjam (One Love Children's Home) Früchte austeilen im Chair Circle Fufu stampfen (One Love Children's Home) Straßen von Accra kaufen und verkaufen (Accra) Ghana flag (Accra) und abends kommen die Fledermäuse raus...

Sonntag, 02.06.2013

God bless our Homeland Ghaaaaanaaaaaaa...

Inzwischen tut sich so einiges in der Schule. Endlich haben
wir wieder genügend Lehrer und bekommen dann und wann Neuzugang, der auf die
Probe gestellt wird.

Wir haben jetzt einen kleinen Raum, wo die Lehrer in ihren Freistunden
sitzen und sich an einem Tisch unterhalten oder vorbereiten können.

Bis letzte Woche saßen wir da noch unter dem Mangobaum im
Hof.

Die Lehrer haben jetzt die Lehrbücher, die sie für jede
Klasse und jedes Fach brauchen und können endlich ihren Unterricht so
gestalten, dass der Lehrplan wenigstens annähernd erfüllt wird.

Wir machen freitags Lesewettbewerbe und heute Morgen zum
Beispiel haben alle das Vaterunser auf Französisch gelernt. Demnächst sollen
Erik und ich das noch auf deutsch beibringen.

Muda ist gerade dabei, ein weiteres Klassenzimmer in eine
Bücherei umzubauen.

Das wäre –meiner Meinung nach- der größte Fortschritt. Denn
das größte Problem ist, dass viele Kinder nicht gescheit lesen und schreiben
können. Auch wenn sie in den höheren Klassen in mehreren verschiedenen Fächern
vielleicht alles verstehen, was der Lehrer sagt, können sie das nicht
schriftlich festhalten und der Unterricht bringt somit absolut nichts. Denn
ohne Notizen keine Hausaufgaben und kein Lernen, geschweige denn Vorbereitung
für Examen.

Außerdem bekommen die allermeisten von zuhause diese
Lesekultur, wie ich es mal nenne, nicht mit. Bei vielen sind die Eltern selbst
Analphabeten und der einzige Ort, an dem sie ein Buch in die Hand bekommen
könnten, ist vielleicht die Schule.

Wie aber lernen wir, fehlerfrei zu lesen und zu schreiben?
Durch Bücher! Auch wenn es nur einfache Kinderbücher sind, je öfter man ein
Wort in seiner korrekten Schreibweise liest, desto mehr merkt man sich das
natürlich!

Es ist schwer, aber man muss versuchen, die Kinder zum Lesen
zu bringen und ihnen den Zugang zu Büchern zu ermöglichen. Das finde ich fast
wichtiger als guten Unterricht! Dass jemand motiviert ist, ein Buch
durchzulesen und daraus für sich selbst etwas lernen kann.

Denn ein Mensch, der das kann, kann sich selbst das meiste
beibringen.

Selbst unsere Waisenhauskinder, die wirklich in dieser
Hinsicht mit Hausaufgaben und Lernen am meisten von allen Dorfkindern
unterstützt werden, können sich nicht dazu durchringen, ein Buch zu lesen, das
dicker als ein Kinderbuch ist! Denn sie hatten noch nie das Erfolgserlebnis,
dass sie das schaffen können uns es ihnen sogar Spaß macht!

Deshalb habe ich jetzt angefangen, ihnen den“ Räuber
Hotzenplotz“ vorzulesen.

Das Buch ist für ihre Begriffe zwar dick, aber sie finden es
sehr spannend und sehen, dass eine Geschichte auch auf längere Sicht fesselnd
sein kann und vielleicht sogar besser ist als eine kurze Kindergeschichte wie
„der Grüffelo“. Vielleicht kann ich sie so zum Lesen animieren.

Bunyamin und Ibrahim haben sich bereits ein Buch von mir
ausgeliehen, um es allein zu lesen. 

Sonntag, 02.06.2013

Maaaango, Five Thousand!!!


Guuuten Morrgen!

So schallt es uns immer entgegen, wenn wir zum
Deutschunterricht in eine Klasse kommen.

Nun ist seit zwei Wochen wieder Schule und die Routine ist
zurückgekehrt. Dieser Term soll von den Schülern besonders ernst genommen
werden, weil nun zum ersten Mal die Ältesten unserer Schule (Form 3) ihren
Abschluss machen werden und die Endexamen geschrieben werden, die auch bei
allen anderen Klassen entscheiden, wer weiterkommt und wer sitzenbleibt.

Die Ferien waren ziemlich lang und währenddessen war ich
erst mit Fabi und Erik in der Voltaregion reisen und dann waren noch meine
Eltern zu Besuch da.

Unsere Reise starteten wir in Akosombo, der Stadt am
südlichsten Zipfel des Voltastausees, wo auch der große Staudamm steht, von dem
Ghana den Großteil seines Stroms bezieht.

Von dort sind wir mit der Fähre auf dem Voltasee gen Norden
gefahren, bis ins Fischerdorf Kete Krachi. Das dauerte 1 ½ Tage und wir haben
auf dem Außendeck der Fähre übernachtet. Das wäre ja an sich kein Problem
gewesen, aber es hat dann mitten in der Nacht angefangen, zu gewittern und zu
schütten wie noch was.  Also flüchteten
sich alle auf die 4 Bänke, die es dort oben gab, denn auf dem Boden stand das
Wasser. An Schlafen war, jedenfalls für mich, nicht mehr zu denken:

die Klamotten waren durchnässt und zum ersten Mal seit
langer Zeit fror man wieder und alle lagen irgendwie übereinander, in dem
Versuch, eine bequeme Schlafposition zu finden.

Ich war froh, als wir endlich in Kete Krachi angekommen
waren.

Akosombo Port an Bord der Faehre wunderschoene Aussicht auf den Volta-See und nochmal der Volta-See Sonnenaufgang nach dem Weltuntergang wir legen an in Kete Krachi

Kete Krachi ist ein kleines Nest, also dauerte es einen
halben Tag, bis unser Trotro nach Nkwanta voll war und endlich losfahren
konnte.

Nkwanta ist dort in der Gegend die nächstgrößte Stadt und
liegt nicht weit vom Kyabobo Nationalpark entfernt, wo wir hinwollten. Auf dem Weg nach Nkwanta sind wir ewig, aber wirklich ewig
durch die Pampa gegurkt. Wenn das Trotro mal langsamer wurde oder gehalten hat, dann
kamen sofort kleine Kinder ( vielleicht zwischen 3 – 7 Jahre alt) angeströmt
und versuchten, einem eine Schüssel Mangos für einen Spottpreis zu verkaufen
(50 Pesewas = ca. 20 Cent). „Mangooo, Five Thousand!“ Wenn man diesen Chor von hohen Kinderstimmchen gehört hat, die auf Teufel komm raus ihre Ware anpriesen, um
ein wenig Geld zu verdienen, bekam alles irgendwie einen bitteren Beigeschmack. Die Straßen waren unglaublich schlecht  (und ich bin hier wirklich schon rumgekommen)
und man kam nur sehr langsam vorwärts, ein Motorrad wäre ideal gewesen.

Als wir dann endlich abends, als es schon längst dunkel war,
in Nkwanta ankamen, waren dort alle Guest Houses und sogar die teureren Hotels
voll! Damit  hatten wir gar
nicht gerechnet, denn normal kann man hier spontan reisen und findet immer ein
Guest House, ohne gebucht zu haben. Außerdem gab es in Nkwanta im Verhältnis zur Größe des Ortes wirklich viele Gästehäuser, sodass wir uns darüber gar keine Gedanken gemacht hatten! Es lag offenbar daran, dass gerade von einer asiatischen
Firma ein zweiter Highway in den Norden gebaut wird, der auch durch Nkwanta
führen soll. Deshalb waren die ganzen Mitglieder dieses Unternehmens in den
Gästehäusern einquartiert. Also wurden wir mit Motorrädern in den Kyabobo-Nationalpark
gefahren und haben dort kurzerhand in Zelten übernachtet. Wir waren auf jeden
Fall froh, überhaupt eine Bleibe gefunden zu haben, denn es wäre auch zu spät
gewesen, um noch ein Trotro für irgendeinen anderen Ort zu bekommen.

auf dem Weg nach Nkwanta Zelte im Kyabobo Nationalpark Fabi und Erik Dusche mitten im Wald Dusche im Freien

Am nächsten Tag haben wir dann den „Breast Mountain“
bestiegen, der seinen Namen daher hat, dass er angeblich wie die Brust einer
Frau aussehen soll.

  der Brest Mountain auf dem Weg zum Gipfel schöne Aussicht vom Brest Mountain Übergang zur Savannenlandschaft unser Ranger

Während dem Rest der Reise sind wir noch weiter durch die
Voltaregion gefahren bis zur Lagune am Atlantik.

Strand von Keta Paradies



Ich glaube, ich habe das Prinzip des Trotrofahrens noch nie
wirklich erklärt:

Du wartest am Straßenrand oder an einer bestimmten
Trotrostation.

Jedes Trotro hat einen Fahrer und einen „Mate“, der Zeichen
nach außen gibt und Mitfahrer einsammelt, abkassiert und dem Fahrer sagt, wann
er anhalten soll.

Diese Mates hängen also immer so halb aus dem Fenster raus
und machen verschieden Zeichen für das jeweilige Ziel des Trotros. Dazu rufen
sie meistens noch ihre Endstation.

AccraaaaAccraaaAccraaaaAccraaa...

Cape Coast Cape Coast CapeCapeCapeCape

KaneeeshKaneeesh

LapaaaazLapaaaaaz

thirtyseventhirtyseven (37 = Das Militärkrankenhaus)

Wenn du dann willst, das sie anhalten, zeigst du mit dem
Zeigefinger nach unten.

Das Trotro hält an, du steigst ein, nennst dem Mate den Ort,
an dem du aussteigen willst und bezahlst den jeweiligen Preis. Es gibt nämlich
im Grunde schon feste Preise, aber bei einem Obroni ( =Weißer) wird da gerne
mal ein bisschen geschummelt. Das ist mir aber bisher wirklich selten passiert.

Bis man das Trotrosystem von Accra mal ein bisschen
durchschaut hat, dauert das seine Zeit. 

ich wüsste gern mal, ob diese Firmen das eigentlich wissen, wo ihre Autos landen =)

Samstag, 20.04.2013

Wer schön sein will muss leiden...

Guten Morgen!

Nachdem ich mal wieder längere Zeit nichts von mir habe hören
lassen, kommt hier endlich mal wieder ein Bericht aus Tuba!


Heute ist keine Schule, weil die Osterfeiertage kurz
bevorstehen und die Kinder werden daher heute Abend auch für einige Tage zu
ihren Familien geschickt. Deshalb ist heute nochmal ein entspannter Tag, die Kinder
haben Freizeit und können außer ihrem „Service“ eigentlich tun und lassen, was
sie wollen. Den Vormittag verbringen gerade alle so für sich mit Lesen,
Kartenspielen oder Fußballspielen, aber später wollen wir dann ein bisschen
Volleyball mit ihnen spielen und zum Schluss wird Charlotte, die in einigen
Tagen auch nach Deutschland zurückgehen wird, ihre Abschiedsparty feiern.

Charlottes Abschiedsparty Lagerfeuer an Charlottes Abschiedsparty Ayuba trommelt ( Charlottes Abschiedsparty) getanzt wird natürlich auch ( Charlottes Abschiedsparty) Lina und Menat (Charlottes Abschiedsparty)


Die anderen Freiwilligen, die das erste halbe Jahr mit uns
verbracht haben, Leonie, Robin, Isabell und Helena, sind bereits vor einem
Monat abgereist.

Dafür sind dann zwei neue Freiwillige, Silke und Tobias,
gekommen, die das zweite Halbjahr mit uns hier verbringen werden.

Ich habe inzwischen in die Günter Frey International School
gewechselt und bin nicht länger in der Monika Crèche. Jetzt unterrichte ich
vormittags deutsch und bin nachmittags wie zuvor auch im Waisenhaus. Das macht
mir bisher sehr viel Spaß und erfüllt mich auch mehr als die Arbeit im
Kindergarten.

Am Freitag werden wir mit den Lehrern wieder eine Exkursion
nach Akosombo machen.


Bis vor ein paar Wochen hatte ich hier meine Cousine Lina für
drei Wochen zu Gast und es war eine tolle Zeit. Wir haben viel Zeit hier in
Tuba verbracht, aber ein wenig sind wir auch gereist. Einmal haben wir einen
Wochenendetrip nach Cape Coast und in den Kakum-Nationalpark unternommen und
einmal einige Tage in der Volta-Region verbracht.

in Cape Coast Lina in Cape Coast Fischer in Cape Coast Cape Coast Castle Cape Coast Castle auf den Straßen von Cape Coast im Kakum Nationalpark huch riesige Wurzeln... die Bäume wissen sich zu wehren, wenn sie noch jung sind ( wenn dieser Baum größer und robuster wird, verliert er seine Stacheln) Regenwald Canopy Walkway im Kakum Nationalpark Regenwald Regenguss nach dem Kakum Nationalpark das beste Guest House in Cape Coast!! Cape Coast Kenkey mit Fisch, Pepper, Tomatensoße und Shito das muss man dann auch richtig genießen! Lina und ich mit Barikisu, unserer Schneiderin am Kaneshie-Markt

Davor war ich noch nie in der Volta-Region gewesen, aber für
mich ist sie – im Vergleich zu allem, was ich auf meinen Reisen in Ghana bisher
gesehen habe- eindeutig der schönste Ort in diesem Land.


Der Volta-Stausee, die Berge und die daraus resultierende
unglaublich grüne Landschaft, die Wasserfälle und die kleinen verstreuten
Dörfer geben einfach ein wunderschönes Bild ab. Lina und ich sind von Accra aus
mit dem Trotro nach Hohoe gefahren und von Hohoe aus zum Wli-Wasserfall. Dort
gibt es eine Waterfall-Lodge mit Blick auf den Wasserfall, die von einem
deutschen Pärchen betrieben wird und sehr gemütlich ist.


Abends, nach einer doch relativ
langen Trotrofahrt, ziemlich durchgeschüttelt, aber mit vielen neuen Bildern im
Kopf, kamen Lina und ich also in diesem Dorf beim Wli-Wasserfall an und wollten
erstmal ein wenig Proviant einkaufen ( sehr gängig hier: Bananen mit gerösteten
Erdnüssen). Wir gingen also zu einer Bananenfrau und sagten:“ Bananen für einen
Cedi bitte!“ (In Accra bekommst du für einen Cedi sechs Bananen).

Was wir am Ende bekamen? 14
Bananen!!! Die Volta-Region ist so regenreich, dass hier die Bananenstauden nur
so schießen, dementsprechend billiger sind sie also dann auch (außerdem fallen
ja noch die Transportkosten nach Accra weg).

Also haben wir uns die nächsten 2
Tage von Bananen ernährt...=)

Wir sind zur Waterfall Lodge gegangen
und haben Abendessen bestellt. Während wir im Pavillon auf das Essen warteten,
fing es dann plötzlich an, zu schütten wie verrückt (dunkel war es sowieso
schon, weil es ja schon um ca. halb 7 Uhr dunkel wird).

Volta-Region Lina und ich in der Waterfall-Lodge

Am nächsten Morgen gönnten wir uns
einige Bananen zum Frühstück und machten uns dann auf den Weg zu den
Wli-Wasserfällen. Erstmal musst du im Touristenzentrum Eintritt bezahlen und
dann bekommst du noch individuell einen Führer zugeteilt, der dann am Ende auch
noch sein Gehalt erwartet.

Unser „Guide“ hieß Matthias, wusste
sehr viel über die Tier- und Pflanzenwelt und hat uns sehr viel erklärt. Die
Wli-Wasserfälle gliedern sich in die „Lower Falls“ und die „Upper Falls“. Wir
wollten auch die Upper Falls erklimmen, aber das bedeutete dann rückblickend 5
h Bergsteigen und war auch wirklich anstrengend.

Gerade hier in Tuba ist ja quasi nur
Ebene und es gibt eigentlich nur einstöckige Häuser, weshalb die zum
Bergsteigen geforderten Muskeln bei mir leicht verkümmert waren...

Umso schöner war es dann, als wir
endlich oben beim Wasserfall angekommen waren und sogar ins Wasser gehen
konnten!

Der Wasserfall ist für die
Einheimischen sehr bedeutsam. Sie glauben daran, dass ein „spirit“, ein Geist
darin wohnt und man ihn erst um Erlaubnis bitten darf, bevor Fremde den Wald
betreten, geschweige denn, im Wasserfall baden.

Daher ist es einem auch nur mit
einheimischem Führer gestattet, die Wanderung zu den Wli-Wasserfällen
anzutreten.

Matthias möchte später Zahnarzt
werden und dann in seinem Dorf bleiben und dort eine Praxis errichten, um die
lokale Gesundheitsversorgung zu verbessern.

auf dem Weg zu den Wli-Wasserfällen und los geht die Wanderung Soldatenameisen die Upper Falls von Weitem Matthias geht voran wunderschöner Ausblick auf die Voltaregion und...endlich, endlich kommen wir bei den Upper Falls an! Upper Falls Upper Falls Fufu mit Lightsoup ( deine Hand ist dein S-P-O-O-N)

Nach dem Volta-Trip war Lina noch
einige Tage hier und flog dann zurück ( unter anderem mit wunderschönen neue
Kleidern, die wir uns in Kaneshi zusammen hatten schneidern lassen!).


Ich habe nun übrigens auch einmal die
berühmt-berüchtigten Rasta-Zöpfchen ausprobiert (5,5 Stunden im
Friseursalon!!!), aber es war das erste und einzige Mal.

Nach einigen Tagen habe ich es wieder
rausgemacht, weil mir die eingeflochtenen Kunsthaare so auf die Nerven gegangen
sind und einfach nur Dauerkopfweh verursacht haben ( mein Haar hat mit
Kunsthaar ungefähr dreimal soviel gewogen wie vorher).

Da habe ich echt Respekt vor den
ghanaischen Frauen: entweder sie rasieren sich die Haare ganze kurz oder sie
lassen sich alle paar Woche „Hairdress“ machen, Flechtfrisuren. Wenn sie ihre
Haare einfach so offen lassen würden wie wir, würden sie in null komma nichts
verfilzen und zu Dread Locks werden. Hier bedeuten Haare also immer eine Menge
Arbeit nach der Devise: Wer schön sein will muss leiden.

Rastas... ein ziemliches Gewicht, das da plötzlich an deinem Kopf zieht und...nach dem Aufmachen ...und die Moral von der Geschicht: flechte keine Zöpfe nicht!

Dienstag, 18.12.2012

noch mehr pictures

Dienstag, 18.12.2012

pictures!

Wie mir gerade aufgefallen ist, bin ich ja kein Stueck auf den Titel des vorhergehenden Blogeintrags eingegangen!

Einige von euch haben sicher ueber die Medien mitgekriegt, dass hier Anfang Dezember Wahlen waren und dass nun John Mahama Praesident ist.

Er war schon in der vorhergehenden Legislaturperiode Vizepraesident und hat seit dem Tod des alten Praesidenten einige Monate bereits das Land regiert. Seine Partei ist NDC (National Democratic Congress).

Im Grunde gibt es hier zwei grosse Parteien, die reale Chancen haben, an die Macht zu kommen: NPP (New Patriotic Party) und eben NDC.

Es war sehr knapp, ich glaube sie haben mit 51% oder so gewonnen.

Der junge Mann neben mir meint gerade, dass sie beschissen haben. Das sieht aber jeder so, wie er will. Ein NDC-Anhaenger wird dir das Gegenteil versichern.

Ich glaube ehrlich gesagt nicht an Betrug, weil Mahama auf mich einen sehr glaubwuerdigen Eindruck macht und Ghana demokratisch auf einem guten Weg ist.

naja, um zu dem Idey beeeee-Spruch zuruekczukommen: Den Spruch hat dir jeder NDC-Anhaenger nach dem Wahlsieg freudig entgegengerufen. Die obligatorische Antwort ist: keke!

Ich war uebrigens ein zweites Mal in Cape Coast. Diesmal war zum Glueck niemand krank und wir konnten uns in Ruhe das Cape Coast Castle anschauen und am naechsten Tag in den Kakum Nationalpark noerdlich von Cape Coast gehen.

Das ist ein Reservat, in dem tropischer Regenwald waechst und hier hat man sich etwas Besonderes ausgedacht: Da dieser Wald ja sozusagen in Etagen mit jeweils verschiedenen Pflanzen und Tieren gegliedert ist, hat man hier einen canopy Walkway errichtet, der auf Baumhoehe ist.

Es war ein beeindruckendes Erlebnis, auch die Bodenfuehrung durch den Primaerwald danach. Allein die vielen Medikamente, die sich aus den verschiedenen Pflanzen und Baeumen gewinnen lassen! Und die Artenvielfalt ist unglaublich, es gibt Hunderte von verschiedenen Schmetterlingsarten allein in diesem Reservat!!!

Cape Coast Castle Cape Coast Castle Kakum, Ranger James auf dem Canopy Walkway gruen gruen gruen ist alles was ich hab hoffentlich halten die seile...=) in diesem baum hat mal einer gewohnt!

Waisenhaus, mit Fadila auf gehts wasserholen!

Dienstag, 18.12.2012

Idey beeeeeeeeeeeeeeeeee!!!

Hallo,

nach laengerer Funkstille aufgrund nicht funktionierenden Internets melde ich mich mald wieder.

Seit einigen Tagen habe ich zum ersten Mal seit ich hier bin Ferien! Ab morgen werde ich mit Fabi (einem Mitfreiwilligen) und Ayuba (einem ghanaischen Mitarbeiter) fuer zwei Wochen durchs Land reisen. Wir werden ueber Kumasi in den Norden fahren.

Eigentlich wollen wir dann in den Mole-Nationalpark und dort Safaris machen, aber weil wir ueber die Weihnachtszeit dort sind und ziemlich kurzfristig auf die Idee gekommen sind, in den Norden zu reisen, wird das wohl eher nichts. Die Alternative waere weiter Richtung Norden an die Grenze zu Burkina Faso nach Bolgatanga.

Dort gibt es die sogenannten singenden Felsen: Zu einer bestimmten Jahreszeit pfeift der Wind so durch das Gestein, dass es sich anhoert, als ob die Felsen saengen...

Von Bolgatanga geht es dann ueber Tamale wieder gen Sueden nach Sunyani, wo wir einige Tage bleiben und die umliegenden Handwerksdoerfer anschauen wollen.

Von Sunyani aus fahren wir dann an die Kueste an den Badestrand in Busua, wo wir mit den anderen Sylvester feiern wollen.Lächelnd

Ich freue mich sehr darauf, endlich mehr von diesem Land zu sehen, weil ich genau weiss, wieviel unterschiedliche Seiten es zu bieten hat! Allein die Natur veraendert sich schon total, wenn man nach Norden faehrt: von immergruenem Regenwald zu Savanne oder Buschland.

Die weltwaerts-Vorgaben bestimmen, dass wir Freiwilligen alle drei Monate einen Bericht schreiben sollen. Mein erster von Ende November kommt hier:

  1. Weltwärts-Bericht von Sarah Nasreen Schmidt:

September – November 2012

Nun sind schon fast drei Monate meines einjährigen Freiwilligendienstes in Ghana vorbei und ich kann gar nicht fassen, wie schnell die Zeit hier vergeht.

Dieser Bericht ist ein kleines Zwischenstatement darüber, wie es mit der neuen Lebens-, Arbeits- und Lernsituation vorangeht.

-          Projekt:

Ich lebe und arbeite für ein Jahr in Ghana in dem kleinen Dorf Tuba, das in der Nähe der Hauptstadt Accra liegt.

Meine Entsendeorganisation ist yap-cfd e.V. („Youth Action for Peace – christliche Friedensdienste e.V.“) und meine Partnerorganisation ist Nima e.V.

Nima e.V. hat zwei eigene Projekte: das Waisenhaus „One Love Children’s Home“ in Tuba und das „Junior Program“ in Nima, einem Stadtteil von Accra, das Kindern und Jugendlichen finanzielle Hilfestellung leistet, um ihnen Bildung zu ermöglichen.

Zudem unterstützt der Verein durch Entsendung von Freiwilligen auch zwei lokale Projekte in Tuba: die „Günter Frey International School“ und die dazugehörige „Monika Crèche“.

Ich selbst arbeite während des ersten Halbjahres vormittags in der Crèche und nachmittags im Waisenhaus, im zweiten Halbjahr unterrichte ich vormittags in der Günter Frey International School Deutsch und der Nachmittag bleibt unverändert.

Nima e.V. hat das Einführungsseminar erst ein paar Wochen nach unserer Ankunft abgehalten, aber das fand ich eher gut, denn so hatten wir schon Zeit, uns praktisch einigermaßen an den Alltag zu gewöhnen und hatten schon Fragen oder persönliche Probleme im Hinterkopf, die besprochen werden konnten.

-          Tagesplan:

Aufgrund der Nähe zum Äquator wird es hier immer zwischen 5 und 6 Uhr hell und zwischen 17 und 18 Uhr wieder dunkel. Daher wird man morgens automatisch schon sehr früh wach.

Wir frühstücken immer drüben im Waisenhaus von halb 8 Uhr bis 8 Uhr. Danach wird abgespült und wir machen uns auf den Weg in die Crèche, denn dort beginnt die „Assembly“ um halb 9 Uhr. Die Kinder sind teilweise noch sehr jung, weshalb diese morgendliche Versammlung lange nicht so geregelt und imposant abläuft wie in der Schule.

Aber Schritt für Schritt lernen sie, wie es geht und die älteren Klassen sind schon sehr gut darin, diszipliniert in Reihen zu stehen, die Nationalhymne und andere Lieder zu singen und abschließend zu ihren Klassenräumen zu marschieren. Die Kinder werden auf jeden Fall im Vergleich zu Deutschland sehr patriotisch erzogen und ich merke auch, wie man langsam versucht, dem allgegenwärtigen Minderwertigkeitskomplex gegenüber „Weißen“ entgegenzusteuern. Zum Beispiel wurde gestern ein Lied gesungen, in dem unter anderem die Zeilen vorkamen: „I am proud to be an African(…) I will never change my colour because black is beauuuutiful!!!“

Nach der Assembly versammeln sich die Lehrer in einem Klassenraum und wir beten zusammen. Danach teilen wir Freiwilligen uns immer auf: zwei nehmen die Hälfte einer Klasse nach draußen aufs Feld und lassen sie dort spielen, die anderen zwei unterrichten in derselben Zeit drinnen. Am nächsten Tag wird getauscht, sodass jede Klasse beides hat.

Unterrichtsthemen sind relativ einfache, aber fundamentale Dinge: Farben, Tiere, Kleider, Monate, Wochentage, kleine Logikspiele (Puzzle, Formen ausschneiden etc.)…

Freitags ist „Games Day“: alle Klassen sind im Hof, spielen und treiben Sport. In der letzten Zeit haben wir es uns außerdem zur Gewohnheit gemacht, alle Kinder mittwochs in einem Raum zu versammeln und ihnen ein Lied beizubringen. Manchmal geht das von uns Freiwilligen aus (Old Mac Donald, Itsy Bitsy Spider etc.), manchmal von den ghanaischen Lehrern (Into my Heart, Kirchensongs etc.).

Zu einigen Lehrern haben wir inzwischen ein echt gutes Verhältnis und sie gehen sehr offen und kooperativ auf Vorschläge von unserer Seite ein. Heute werden wir ein Teammeeting abhalten, in dem wir besprechen wollen, ob wir einige generelle Verhaltensregeln in der Crèche einführen wollen.

Bis halb 12 Uhr sind wir in der Crèche, dann essen wir dort zu Mittag und haben bis drei Uhr Mittagspause. Anschließend wird im Waisenhaus weitergearbeitet, denn dann kommen die Kinder von der Schule nach Hause. Hier ist oft Eigeninitiative gefragt: sei es, Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, den Kleinen die Buchstaben und Zahlen beizubringen, Wunden zu verarzten, Tischtennis oder Phase 10 zu spielen…

Um halb 5 Uhr ist dann „Time to tidy up“: die Kinder sollen sich duschen und alles saubermachen ( jeder hat seinen eigenen „Service“). Dann um halb 6 Uhr ist „Chair Circle“, wo alles besprochen wird, was ansteht. Hier werden auch jeden Tag die Gruppen bewertet:

Um zu erreichen, dass die Kinder sich an die Regeln halten, sind die Kinder in 5 Gruppen aufgeteilt, die jeden Tag aufs Neue mit Plus- oder Minuspunkten bewertet werden. Welche Gruppe am Ende der Woche dann die meisten Punkte hat, bekommt eine kleine Belohnung und die schlechteste Gruppe muss die ganze Woche lang „Punishments“ verrichten.

Um 6 Uhr beten die Kinder ( die Mehrheit ist muslimisch) auf der Terrasse. Dann gibt es Abendessen, die Kinder spülen ab und beten um 7 Uhr nochmals.

Im Anschluss finden bis 8 Uhr die „Learning Groups“ statt. Jeder Freiwillige hat zwei oder drei Kinder, mit denen er entweder Schulaufgaben macht, sie auf Klassenarbeiten vorbereitet oder ihnen Dinge beibringt, die er für wichtig hält.

Meine Learning Group besteht aus einem Mädchen, Hajara, und zwei Jungs, Garba und Shaibu. Gerade sind wir dabei, für die kommenden Examen zu lernen.

Nach der Learning Group werden die Kinder ins Bett gebracht und wir haben Feierabend. =)

Einmal in der Woche haben wir mit den ghanaischen Waisenhausmitarbeitern Hickma, Aziz und Kweki ein Teammeeting, in dem wir Probleme oder anstehende Aufgaben besprechen können.

Im Grunde würde ich sagen, dass ich mich viel mehr dem Waisenhaus zugehörig fühle, weil man zu diesen 24 Kindern ein viel persönlicheres Verhältnis hat als zu den Hunderten in der Crèche. Außerdem wohnen wir Freiwilligen direkt neben dem Waisenhaus, weshalb wir selbst in unserer „Freizeit“ auch oft drüben sind oder die Kinder rüberkommen.

-          Land und Kultur

Ghana ist ein beeindruckendes Land. Sein höchstes Gut? Seine Bewohner! Natürlich kann ich das nicht pauschalisieren, aber die überwiegende Mehrheit der Menschen, die ich hier bisher kennengelernt habe, sind sehr offen, gastfreundlich und interessiert. Man wird von jedem, den man trifft, mit Fragen gelöchert! Außerdem habe ich den Eindruck, dass die Menschen sehr viel mehr lachen und die Dinge mit Humor nehmen, obwohl sie zum Großteil unter sehr viel schlimmeren oder härteren Bedingungen leben als wir in Deutschland.

Vielleicht ist dieser Optimismus aus der Not geboren, aber er sorgt für eine unbeschwerte, lockere Atmosphäre und ein freundliches Miteinander. Hier im Dorf grüßt jeder jeden, allein das drückt schon Wertschätzung und Interesse aus. In Deutschland kann man jahrelang nebeneinander leben, ohne sich wirklich zu kennen.

Diese Anonymität gibt es hier irgendwie nicht. Natürlich kann das auch manchmal ein Problem sein, weil man es nicht so gewohnt ist, keine Privatsphäre zu haben. Ich bin quasi nie allein, das fehlt mir schon manchmal. Denn ab und zu muss man sich einfach mal sammeln und ein bisschen Zeit für sich haben, allein, um seine Gedanken zu ordnen und die vielen Eindrücke zu verarbeiten.

Ich kann aber nicht über Ghana generell sprechen, denn Ghana hat so viele Gesichter und ich habe so wenig davon gesehen. Ich wohne gewissermaßen in einer Seifenblase: einem kleinen muslimischen Dorf in der Umgebung von Accra. Hier im Dorf spricht man Ningo, aber nicht weit entfernt versteht man diese Sprache schon nicht mehr und in Accra spricht man Hausa.

Durch die von den Kolonialherren gezogenen Grenzen sind in Ghana extrem viele verschiedene „tribes“ zu einer Nation vereint. Fast jeder Ghanaer spricht mehrere Sprachen. Die Missionierung hat überraschenderweise gefruchtet, denn der Islam und das Christentum sind stark verbreitet und viele Gläubige sind dann auch wirklich streng religiös. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele alte kulturelle Elemente: jeder Erwachsene, den ich bisher gefragt habe, glaubt an Hexen, Magier, Wunder, „Bad spirits“ usw.

Letzte Woche war ich freitags einmal mit in der Moschee, was ein sehr beeindruckendes Erlebnis war, das ich auf jeden Fall wiederholen möchte. Auch mit den wenigen christlichen Kindern vom Waisenhaus habe ich sonntags einmal einen Gottesdienst besucht. Hier sind mir nochmal krasse Unterschiede zu den christlichen Gottesdiensten aufgefallen, die ich in Deutschland miterlebt habe. Die Bibel wird sehr viel strenger ausgelegt, es wird viel mehr gesungen und viel emotionaler gebetet. Träume und Prophezeiungen werden gedeutet und die manchmal etwas sehr „charismatischen“ Prediger (so nennen sie sich selbst) versprechen dann beispielsweise, dass man von HIV geheilt werden kann, wenn man nur genug betet.

 

-          Eigene Situation, Motivation, Lernprozess

An die erste Woche erinnere ich mich nur noch verschwommen, es war mehr  eine Eingewöhnungswoche, in der wir noch nicht arbeiten mussten. Aber man hatte irgendwie genug damit zu tun, sich an den Alltag und die Lebensumstände anzupassen: plötzlich hatte man kein fließendes Wasser mehr, ständig „Lightoff“(Stromausfall), verbrannte seinen Müll jeden Tag selbst und wusch die Wäsche mit der Hand. Nicht, dass wir sehr darunter „gelitten“ hätten, aber es war einfach eine Umstellung.

Die Arbeitssituation in der Crèche war für mich am Anfang sehr schwierig, was unter anderem an falschen/naiven Erwartungen lag:

Fast jeder Lehrer schlägt die Kinder und die Kinder behandeln sich gegenseitig auch nicht besser. Weil wir Freiwilligen sie nicht schlagen, hatten wir am Anfang null Autorität und werden wohl auch in ihren Augen nie den gleichen Status wie die übrigen Lehrer haben.

Die Kinder sind im Krippen- und Kindergartenalter und es ist daher enorm schwer, ihnen etwas beizubringen. Es gibt Sprachbarrieren und die meisten sind einfach zu jung, um zu verstehen, was man ihnen erklärt. Das ghanaische Schulsystem basiert zu einem Großteil auf Auswendiglernen: der Lehrer betet irgendetwas vor und die Kinder wiederholen es, oft, ohne zu wissen, was sie da gerade lernen. Beispielsweise können sie alle Wochentage und Monate aufsagen, haben aber keine Ahnung, was das überhaupt ist.

Zusätzlich mussten wir uns wirklich eine eigene Aufgabe suchen, denn am Anfang saßen wir bei den Lehrern im Unterricht und hatten leider absolut nichts zu tun. Mit der Zeit haben wir uns dann gesagt, dass wir es als unsere Aufgabe ansehen, den Kindern spielerisch Dinge beizubringen und eine kleine Alternative zu stupidem Auswendiglernen zu zeigen.

Wir brachten den Vorschlag, immer die Hälfte einer Klasse aus dem Unterricht zu nehmen, und seitdem gestalten wir unseren eigenen „Unterricht“ mit den Kindern und sind sehr viel motivierter als vorher.

Im Waisenhaus gab es keine solche Sinnkrise. Man hat wie gesagt ein sehr viel persönlicheres Verhältnis zu den Kindern und auch die Möglichkeit, den einzelnen mehr Zeit zu widmen und Fortschritte zu sehen. Wir wurden von Anfang an sehr gut aufgenommen, vor allem dank Hickma, der Leiterin des Waisenhauses. Sie ist offen und außerdem erfahren in der Arbeit mit Freiwilligen.

Generell war es kein Problem, Anschluss finden und Kontakte zu knüpfen. Ich habe hier schon einige echt gute Freunde gefunden und fühle mich wirklich gut aufgehoben in Tuba.

Ich freue mich, dass ich mich dafür entschieden habe, ein ganzes Jahr zu bleiben, denn die Zeit rennt mir jetzt schon davon!

Viele Grüße aus Ghana,

Sarah Nasreen Schmidt

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